„LIEBE IST DAZWISCHEN
Liebe ist kein Rausch. Liebe ist nach dem Rausch. Liebe sind keine großen Gefühle. Liebe ist gemeinsames Zufriedensein. Und Zufriedensein ist weder ein großes noch ein kleines Gefühl. Zufriedenheit ist weder leise noch laut, zufrieden ist geradlinig und kein Fliegen und Fallen. Liebe ist Zufriedenheit, Liebe ist einatmen und ausatmen, wohlwissend, dass auf jedes Einatmen ein Ausatmen folgt - und andersherum.
Liebe ist fallen lassen ohne Aufprall, fliegen ohne Höhenflug. Liebe ist in sicherer Höhe schweben. Liebe ist alles dazwischen, aber niemals oben oder unten, niemals hier oder dort, niemals, rennen oder auf der Stelle treten.
Liebe
ist
dazwischen.“
by Angela Doe (https://angeladoe.com/)
Das beschreibt sehr gut meine größten Erkenntnisse der letzten 2 Jahre, in denen ich immer mehr ankomme.
Im Sommer 2020 tauchte ich als FÖJlerin in die ZEGG Gemeinschaft ein, lernte beim Sommercamp desselben Jahres einen Mann kennen, mit dem ich zum Ende des Jahres eine Partnerschaft einging.
Ich betrat das ZEGG mit einer Überdosis Einsamkeit. Ich sammelte dort wertvolle Kontakterfahrungen, fühlte mich immer wieder gesehen, gefühlt und gehalten in meiner Freiwilligengruppe. Fühlte mich schon bald gar nicht mehr allein. Hatte vorübergehend meinen Platz gefunden in dieser Welt. Mein Beitrag im ökologischen Gartenbau gab mir das Gefühl von bodenständiger Sinnhaftigkeit zurück. Ich vergaß nahezu die Welt außerhalb der Gemeinschaft, war viel in der Natur und lernte mich selbst immer mehr kennen in meinen inneren Prozessen und im Kontakt mit anderen.
Je mehr ich mich auf die Beziehung zu besagtem Mann einließ, desto überforderter wurde ich. Schon bald wurde alles zu viel. Zu viele Prozesse, zu starke Emotionen, zu viel Arbeit, zu viele Menschen, zu viel Hilflosigkeit. Ich verließ dann nach circa 1,5 Jahren das ZEGG wieder, diesmal mit einer Überdosis Reizüberflutung.
Ich wollte wieder mehr bei mir ankommen. Doch auch im Verlauf des Folgejahres 2022 außerhalb des ZEGG's wurde immer deutlicher, dass die Beziehung, in der ich mich noch befand, immer mehr an meiner Substanz nagte. Mir wurde immer bewusster, wie ich oder wir von Anfang an kämpften. Resonanz, Harmonie und Vertrauen kamen zu selten vor, um uns davon nachhaltig genährt zu fühlen. Es war, als wären wir beide aus so großer Einsamkeit aufeinandergetroffen, dass wir versuchten alles Unpassende passend zu machen, nur um nicht wieder allein dazustehen.
Zum Glück erschloss ich mir im Verlauf der letzten Jahre immer mehr innere als auch äußere Ressourcen, um letztendlich den Schritt raus aus der Beziehung zu wagen und wieder auf meinen eigenen zwei Beinen stehen zu lernen.
Anfang 2023: Ich bin noch immer sehr erschöpft. Alles was die letzten Jahre passiert ist, steckt mir noch sehr in den Knochen. Ich schlafe viel, bin dankbar über die Lektionen, die ich lernen durfte und versuche mich zu regenerieren. Der Winter bietet sich an dafür.